Bundesgerichtshof prüft Rückforderung von Verlusten aus illegalen Online-Casinos im Detail
Geschrieben von Vera Russell · 13.10.2026

Bundesgerichtshof prüft Rückforderung von Verlusten aus illegalen Online-Casinos im Detail

Der konkrete Fall und seine Hintergründe
Der Bundesgerichtshof befasst sich derzeit mit der Frage, ob Spieler Verluste aus illegalen Online-Casinos zurückfordern können, während in einem konkreten Verfahren ein Kläger rund 10.000 Euro von Tipico Games verlangt, weil er zwischen Dezember 2020 und September 2022 Wetten platziert hat; der Anbieter verfügte damals über eine maltesische Lizenz, jedoch nicht über die erforderliche deutsche Erlaubnis, und Beobachter merken an, dass die unteren Instanzen die Verträge wegen Verstoßes gegen das damalige vollständige Verbot von Online-Glücksspiel für nichtig erklärt haben.
Entscheidungen der Vorinstanzen und deren Begründung
Das Landgericht Heilbronn sowie das Oberlandesgericht Stuttgart haben in ihren Urteilen festgestellt, dass die abgeschlossenen Verträge wegen der fehlenden deutschen Zulassung unwirksam sind, und sie stützen sich dabei auf die Regelungen des alten Glücksspielstaatsvertrags, der Online-Casinos grundsätzlich untersagte, während Tipico in der Berufung geltend macht, dass die europarechtliche Vereinbarkeit der deutschen Vorschriften sowie ein schutzwürdiges Vertrauen während der Übergangsphase zur neuen Lizenzierung zu berücksichtigen seien, und Experten haben beobachtet, dass solche Argumente in vergleichbaren Verfahren immer wieder auftauchen, weil die Übergangsfristen zu Unsicherheiten führten.
Die Richter der Vorinstanzen haben betont, dass die fehlende nationale Genehmigung den Vertragsschluss rechtswidrig mache, und sie verweisen auf die klare gesetzliche Lage vor Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags 2021, wohingegen Tipico auf die Gültigkeit der maltesischen Lizenz pocht und geltend macht, dass EU-Recht eine solche grenzüberschreitende Tätigkeit ermögliche, bis die deutschen Behörden eigene Lizenzen erteilt haben.
Argumente von Tipico und die Position des Anbieters
Tipico Games führt in seiner Argumentation an, dass die damalige Rechtslage durch EU-Grundfreiheiten geschützt war und dass Spieler auf die Verfügbarkeit der Plattform vertrauen durften, während das Unternehmen gleichzeitig auf die laufende Umstellung des deutschen Marktes hinweist, und Beobachter stellen fest, dass solche Einwände in mehreren parallel laufenden Verfahren eine zentrale Rolle spielen, weil die Übergangsregelungen des neuen Gesetzes erst allmählich Wirkung zeigen.

Aktueller Stand beim Bundesgerichtshof im Oktober 2026
Im Oktober 2026 liegt dem Bundesgerichtshof die Revision vor, und eine endgültige Entscheidung steht noch aus, weil die Richter umfangreiche Fragen zur Auslegung des alten Verbots sowie zur Reichweite des EU-Rechts prüfen, während die Parteien weitere Schriftsätze einreichen und Juristen darauf hinweisen, dass die Entscheidung richtungsweisend für zahlreiche ähnliche Klagen sein könnte, die in den letzten Jahren eingereicht wurden.
Die Verhandlung konzentriert sich darauf, ob die Nichtigkeit der Verträge tatsächlich zu einem Rückforderungsanspruch führt oder ob schutzwürdige Interessen des Anbieters dagegenstehen, und Fachleute haben festgestellt, dass der BGH in vergleichbaren Fällen bereits früher strenge Maßstäbe an die Einhaltung nationaler Lizenzvorschriften angelegt hat, während die aktuelle Rechtsentwicklung durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag zusätzliche Komplexität schafft.
Mögliche Auswirkungen auf weitere Verfahren
Sollte der Bundesgerichtshof die Auffassung der Vorinstanzen bestätigen, könnten zahlreiche Spieler ähnliche Ansprüche geltend machen, und Beobachter rechnen damit, dass die Branche dann mit einer Welle von Rückforderungsklagen konfrontiert wäre, wohingegen eine gegenteilige Entscheidung die Position der Anbieter stärken und die Bedeutung der Übergangsregelungen unterstreichen würde, und Daten aus der Branche zeigen, dass der Anteil legaler Angebote seit 2021 stetig wächst, obwohl der Schwarzmarkt weiterhin relevant bleibt.
Die Europäische Kommission hat in früheren Stellungnahmen die Notwendigkeit einer kohärenten Regulierung betont, und eine Studie der Europäischen Kommission hat gezeigt, dass grenzüberschreitende Angebote ohne nationale Zulassung erhebliche Rechtsunsicherheiten erzeugen, während eine weitere Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auf die wirtschaftlichen Folgen solcher Regulierungslücken hinweist.
Rechtliche Rahmenbedingungen und ihre Entwicklung
Der alte Glücksspielstaatsvertrag verbot Online-Casinos vollständig, und erst mit dem neuen Regelwerk ab 2021 wurde ein Lizenzsystem eingeführt, das Anbietern die legale Tätigkeit ermöglicht, nachdem sie eine deutsche Genehmigung erhalten haben, während die Übergangsphase für maltesische Lizenznehmer besondere Herausforderungen mit sich brachte, und Juristen erklären, dass diese Phase nun Gegenstand der höchstrichterlichen Prüfung ist.
Schlussfolgerung
Der Bundesgerichtshof wird in den kommenden Monaten entscheiden, ob die Rückforderung von Verlusten aus der beschriebenen Periode möglich ist, und die Entscheidung wird voraussichtlich Auswirkungen auf zahlreiche weitere Verfahren haben, weil sie die Auslegung der alten Verbotsregelungen sowie die Bedeutung des EU-Rechts in diesem Bereich klärt, während die Parteien auf eine baldige Klärung hoffen.